Die Fischerzunft-Lohr

Das Zunftzeichen der Fischerzunft: die Zunftstange Dargestellt sind über einem Fisch auf der einen Seite der Apostel Petrus, auf der anderen Seite dessen Bruder der Apostel Andreas die Schutzpatrone der Fischer. Auf Kosten der Fischerzunft Lohr wurde sie im Jahre 1989 aufwändig restauriert

Die Stange befand sich bis 1982 in der Pfarrkirche von Lohr. Zwischenzeitlich wurde sie zeitweise von der Zunft selbst und in den Jahren von 1989 bis 2005 in der ehemaligen Kapuzinerkirche aufbewahrt. Nunmehr steht sie wieder in der Lohrer Pfarrkirche, in der sie über Jahrhunderte schon ihren Platz hatte.

Sie wurde früher von Zunftmitgliedern bei der traditionsreichen Lohrer Karfreitagsprozession, aber auch bei manchen weltlichen Anlässen mitgetragen.

 

* Die Zünfte wurden erstmals am 15.September 1605 durch den Bürgermeister und Zentgrafen Albrecht Drach angewiesen, Zunftstangen anzuschaffen.

Der Mainzer Kurfürst - Erzbischof Johann Schweikard von Kronenberg (1604-1624) hatte seinen Besuch in der Stadt angekündigt. Er wollte mit den Bürgern Prozession halten und die Eucharistie ausschließlich in der Brotgestalt den Bürgern austeilen, er verlangte das Bekenntnis zum römisch-katholischen Kult. Die Zünfte mußten mit ihren Stangen, die die Patrone der Zünfte darstellten, an der Prozession mit dem Kurfürst-Erzbischof teilnehmen.

 

* Hinweis: mit freundlicher Unterstützung durch Herrn Fred G. Rausch

Festzug von 1952

 

Ein weiteres Symbol welches von der Fischerzunft Lohr bei der Karfreitagsprozession mitgetragen wurde war der “Walfisch”. Er wurde nach der Art von Weidenreusen mittels gebogenen Haselnußstecken und Weidenruten hergestellt.

 

Die “Innenausstattung” und die äußere Haut bestand aus Sackleinen. Die Außenhaut am Rücken des Walfisches war dunkelgrau, gegen die Mittellinie heller werdend, am Bauch hellgrau bis weiß gestrichen. Der Schwanz mit dem hinteren Teil des Walfisches, gegen den Rücken zu aufgebogen, war breit und groß. Der Fisch war so geräumig, daß der kleinste Fischer liegend darin Platz hatte. Das Ganze war auf Brettern befestigt, welche auf drei Querhölzer aufgenagelt waren. An den Enden der Querhölzer waren längsseits Stangen befestigt, die zum tragen der Figur mit 4-6 Männern vorgesehen waren.

 

Der Walfisch war entsprechend seiner Struktur (Haselnuß- und Weidenruten) eine nur sehr kurzlebige Konstruktion und mußte alle 3 bis 6 Jahre, je nach Art und Sorgfalt der Aufbewahrung, vollständig erneuert werden. Aus diesem Grunde änderte sich auch ständig das Aussehen des Walfisches, mal war er größer mal kleiner, mal war sein Schwanz über den Rücken gebogen mal war er gestreckt.

 

Die Herstellung des Walfischgerüstes oblag der Fischerzunft, deren Meister mit der Fertigung des Fischkörpers sehr wohl vertraut waren, weil es die gleiche Methode war wie beim Herstellen von Weidenreusen. Die Fischerzunft sorgte auch dafür, daß Walfisch und Jonas bei den Prozessionen von jungen Fischern (gekleidet mit grauen Überblusen und weißen Überhosen- Pumphosen) getragen wurde, die dafür entlohnt wurden. Die Schifferzunft hingegen welche nur kurze Zeit mit der Fischerzunft wirklich liiert war (um 1854), leistete dazu kaum einen Beitrag, wie aus den Zunftbüchern nachgewiesen werden kann.

 

Der Jonas, welcher die Aufgabe hatte während der Prozession fromme Lieder anzustimmen, Psalme zu singen und vorzubeten, bekam als Lohn für diese fromme Aufgabe laut Beschluß der Fischerzunft 1 Liter Rotwein, das gleiche bekamen auch die Träger. Schon vor der Prozession aber, trank sich der Jonas meistens Mut an und auch wärend der Prozession ging der Wein nicht aus. Dies soll mitunter Folgen gehabt haben. Nicht immer paßten die Lieder zum frommen Treiben, oder die angestimmte Tonart brachte die übrigen frommen Sänger völlig durcheinander. Ja es kam noch schlimmer, der genossene Rotwein in Verbindung mit der schaukelnden Bewegung verfehlte auch beim Jonas nicht ihre Wirkung wobei sich alle Anzeichen einer Seekrankheit bemerkbar machten. Manchmal ertönte aus dem Bauch des Walfisches ein lautes, unüberhörbares Schnarchen. Bereits schon in der Mitte des 18.Jahrhunderts sind solche Mißstände auch schriftlich nachgewiesen, wie aus einer Eintragung im Zunftbuch B, Seite 29, vom 26.Dez.1756 zu erfahren ist: “Ward die Zunftrechnung abgehört und in dieser Rücksicht verordnet, daß künftighin den ledigen Purschen, welche den Wallfisch tragen nur 1/2 Maas Wein statt einer Maas gegeben werden solle, und wenn diese dafür nicht tragen wollen, so sollen die Meister tragen, auch sind die junge Pursche nöthigenfalls mit Strafe dazu anzuhalten.”

 

Im gleichen Zunftbuch ist auf Seite 112/113 vom 27.Dez.1797 folgender Eintrag, den Walfisch betreffend: “...wobey künftighin die Unkosten am Charfreytag wegen den Waldfisch dragen nichts mehr passiret werden sollen, sondern solle solches umbsonst geschehen ferner bittet das Ehrsame Handwerck sie bey ihren Zunft articulen zu schätzen, und allen Mißbrauch zunftwiedrig abzustellen.”

 

Dem guten alten Brauch zuliebe bekam der Jonas weiterhin, allerdings nur eine halbe Maß Rotwein, aber “edle Spender” sorgten dafür, daß während der Prozession dem Jonas zusätzliche Weingaben gereicht wurden. Somit blieb für die nächsten Jahrzehnte weiterhin alles beim alten.

 

Gewährsleute: Johann Joseph Höfling (geb.1818) und dessen Sohn Georg Höfling (geb.1873 gest.1956).

 

schriftlicher Nachweis: Buch B, der Fischerzunft Lohr.